Südanflug NEIN!

Zürich - Schweiz

Südstarts geradeaus
Keine Südstarts geradeaus!

Zunehmende Südanflüge am Abend

VFSN-info Mai 2019

Der VFSN stellt in einer vertieften Analyse fest, dass von 2015 – 2018 eine Verlagerung der Anflüge von den Morgen– in die Abendstunden stattgefunden hat. Um diesen Missstand endlich zu beheben, schlägt er eine Verlängerung der Ostpiste 28 und die Optimierung des Instrumentenanflugsystems vor.

So manch eine Bewohnerin oder ein Bewohner im Süden des Flughafens hat den Eindruck, dass die Anzahl Abende, an denen der Süden nebst den regelmässigen Anflügen am Morgen überflogen wird, in den letzten Jahren gefühlt zugenommen hat.

Anfragen zum Thema Abendlandungen über den Süden bei der damals noch für den Flughafen zuständigen Bundesrätin Doris Leuthard sowie bei Regierungsrätin Carmen Walker Späh endeten mit der Aussage, es sei keine Zunahme der Anflüge über den Süden feststellbar.

Dieser Auskunft beigelegt war eine Statistik über die gesamthaft über den Süden abgewickelten Anflüge pro Jahr: Gemäss dieser Statistik trifft die von Doris Leuthard bzw. Carmen Walker Späh gemachte Aussage zu: Die Gesamtzahl der über den Süden abgewickelten Anflüge pendelt zwischen 11’000 und 12’000 Südanflügen pro Jahr und hat damit nicht zugenommen.

Wir wollten mehr wissen und haben eine vertiefte Analyse vorgenommen. Dabei mussten wir feststellen, dass eine Verlagerung der Anflüge von den Morgen– in die Abendstunden stattgefunden hat.

Südanflüge am Abend
  • 2009 betrug der Anteil Südanflüge in den Abendstunden zu deren Total rund 20% .
  • 2011- 2012 ist ein Sprung von rund 1’000 Abendanflügen oder eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von rund 42 % zu verzeichnen.
  • 2018 betrug der Anteil Südanflüge in den Abendstunden zu deren Total fast 33%.
  • 2018 stieg die Gesamtanzahl der abendlichen Anflüge im Vergleich zu 2009 um fast 100%.

Um am Morgen geweckt zu werden braucht es einen Südanflug, wogegen jeder abendliche Überflug die Menschen am Einschlafen hindert. Die bereits um 6 Uhr geweckte Bevölkerung findet deswegen bis 23 Uhr – oder mittlerweile aufgrund des regelmässig stattfindenden Verspätungsabbaus sogar bis 23.30 Uhr – keine Ruhe.

Die Erholungszeit verkürzt sich an einem solchen Tag im besten Fall auf sieben Stunden, aber eher auf sechseinhalb Stunden Nachtruhe. Zu kurz für grosse Teile der Bevölkerung, um sich ausreichend erholen zu können, zu kurz, um langfristig keine gesundheitlichen Schäden befürchten zu müssen. Insbesondere Kinder und Jugendliche bräuchten unbedingt längere Ruhezeiten.

2018 wurde der Süden 117 Mal abends überflogen. Wie würde dies mit den zusätzlichen Südstarts aussehen?

Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die Aussage von Doris Leuthard oder Carmen Walker Späh, wonach die Gesamtzahl der Südanflüge nicht zugenommen habe, zwar zutrifft, aber deutlich zu kurz greift.

Es kann im Süden nicht ausschliesslich nur um die Gesamtzahl gehen, sondern es spielt eine massgebliche Rolle, wie diese über den Tag verteilt werden. Basierend auf diesen Zahlen darf folgende Aussage gemacht werden: mit 117 betroffenen Abenden im Jahr 2018, gegenüber 92 Abenden im Jahr 2015, ist eine klare Steigerung um satte 27% nachweisbar.

Der Flughafen nennt im Rahmen von Lärmbeschwerden als Gründe für die Abendlandungen in der Regel die lokal vorherrschende Witterung: Rückenwindkomponente (Bise), Sichtweite, Wolkenuntergrenze und Gewitterzellen.

Wie kann dieser Missstand verbessert werden?

Zwei Massnahmen kommen in Betracht:

  • ·Die Verlängerung der Ostpiste 28, welche ein robusteres Anflugverfahren aufgrund der Windverhältnisse (Rückenwind bei Bise) sowie für grössere Flugzeuge erlauben würde, und
  • Die Optimierung des Instrumentenanflugsystems, damit für Landungen auf die Ostpiste 28 tiefere Sichtminimas (Sichtweite und Wolkenuntergrenze) erlaubt sind.

Wichtig: Anders, als oft behauptet und anders, als mit dem Bau von Schnellabrollwegen, ist mit der Verlängerung der Ostpiste keine merkliche Kapazitätssteigerung zugunsten des Flughafens verbunden. Die Piste muss für das nachfolgende Flugzeug immer frei sein!

Die Umsetzung mindestens einer, jedoch besser beider Massnahmen ist aus Sicht des VFSN dringend und zwingend. Solange diese nicht in Angriff genommen und umgesetzt werden, kann der Behauptung des Flughafens und von Teilen der Politik, wonach Südlandungen nicht gewollt seien (ja, wir erinnern uns daran), kein Glaube geschenkt werden.

Noch ungeklärt ist bis heute übrigens die Frage, weshalb gemäss Flughafenbericht 2018 die Anzahl Abendlandungen über den Süden vom Jahr 2011 auf das Jahr 2012 sprunghaft um rund 1000 Anflüge pro Jahr zugenommen hat und seither auf diesem höheren Niveau verharrt. Eine plausible Antwort zu diesen Zahlen haben wir bis heute nicht erhalten. Wir bleiben dran!

Myrta Zeller