Südanflug NEIN!

Zürich - Schweiz

Südstarts geradeaus
Keine Südstarts geradeaus!

Starts über Süden – ein altes Tabu wackelt

Zürcher Landzeitung 25.03.2008

Flughafen Gerade Abflüge über Süden sollen höhere Kapazität ermöglichen

Der gerade Südabflug, auch «Straight» genannt, ist das neue Schreckgespenst im Süden des Flughafens. Bern will diese Option offen halten.

Oliver Steimann

Am Anfang des Koordinationsprozesses zum Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) stand eine Auslegeordnung, die auf regionale Befindlichkeiten keine Rücksicht nahm. 19 mögliche Betriebsvarianten für den Flughafen der Zukunft präsentierte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) Ende 2006 – manche mit Pistenverlängerungen, manche mit neuen Pisten, manche mit An- und Abflugrouten in alle Himmelsrichtungen. Nach dem Koordinationsgespräch mit den beteiligten Kantonen wurden im Sommer 2007 17 Varianten zu den Akten gelegt und nur deren zwei mittels Optimierungen weiterbearbeitet. Die Variante E basiert auf dem heutigen Betriebssystem, J geht von einer Verlängerung der Nordpiste 14/32 und der Ostpiste 10/28 aus.

Im Optimierungsprozess wurden diese Flugbetriebssysteme mit Versatzstücken aus einigen bereits verworfenen Varianten angereichert. Dies führte vor allem für die Südgemeinden zu unliebsamen Überraschungen. Eine der wichtigsten Anpassungen betrifft nämlich die Starts nach Süden. Heute werden diese mit dem markanten «Left Turn» – einer 270-Grad-Linkskurve – über Opfikon, Wallisellen und Bassersdorf geflogen. Doch das Bazl hat nun Routen eingebaut, die geradeaus über den Zollikerberg, Küsnacht und Erlenbach führen.

Für den Verspätungsabbau

Der «Straight», wie man diesem Abflug im Fachjargon sagt, galt jahrelang als politisches Tabu – genauso wie der «Right Turn», bei welchem die Flugzeuge direkt über die Stadt Zürich hinweg starten würden. Letzterer hat den SIL-Optimierungsprozess denn auch nicht überdauert. Der «Straight» aber steht nun plötzlich in allen noch zur Auswahl stehenden Varianten.

Bislang erfolgten Südstarts über Opfikon, Wallisellen und in einer Linkskurve über das Zürcher Unterland (grün). Neu sind im SIL-Prozess auch diverse Abflugrouten vorgesehen, die direkt nach Süden weiterführen (rot).

Bazl-Direktor Raymond Cron hat dies bei der Varianten-Präsentation Ende Januar 2008 damit begründet, dass so bei Nebel- und Bisenlagen Verspätungen abgebaut werden könnten. Zur Anwendung kommen soll dieses Konzept ausschliesslich bei den genannten Wetterlagen und spätestens bis 22 Uhr. Gemäss Bazl würde während rund 5 Prozent der jährlichen Betriebszeit der «Straight» zur Anwendung kommen. «Die zusätzlichen Lärmauswirkungen erscheinen gerechtfertigt», heisst es dazu lapidar im zweiten SIL-Bericht.

Und dies gilt offenbar unabhängig davon, ob die Deutschen Überflugbeschränkungen (DVO) ignoriert werden oder nicht. Auch ein Pistenausbau würde gemäss dem Bazl an dieser Situation nichts ändern.