Lufthansa wird immer mehr zum Billigflieger

Die Billigflieger werden das momentane Loch der Geschäftsfliegerei mehr als nur ausfüllen. Lufthansa mischt mit ihrem neuesten Billigflieger Eurowings Discover in diesem Geschäft kräftig mit.

Der Flugverkehr am Flughafen Zürich wird schon in diesem Sommer ab Juli 2021 rasant zunehmen. Bis spätestens Ende 2022 werden die Anzahl Flüge schon bald wieder ähnliche Niveaus erreichen, wie dies im Jahr 2019 vor Corona der Fall war. Die schon jetzt exponentionell zunehmenden Buchungen bestätigen dies und der Nachholbedarf ist riesig.

So werden Billigflüge am 18. Juni 2021 von Eurowings bereits wieder beworben:

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Eurowings ist ein Billigflieger und gehört zum Konzern Lufthansa.

Irgendwelche Bedenken wegen Umwelt? Fehlanzeige.

Man beruft sich alleine auf die CO2-Kompensation, die nur schleppend vorankommt und klammert die anderen Schadstoffe einfach aus. Fluglärm obwohl auch gesundheitsschädigend, ist für die Airlines schon gar kein Thema.

Am 24. Juli kommt mit Eurowings Discover ein neuer Billigflieger, ebenfalls von Lufthansa und vor allem auf Langstrecken für Ferienflüge eingesetzt, neu hinzu.

Die Billigflieger werden das momentane Loch der Geschäftsfliegerei mehr als nur ausfüllen. Covid hat dem Vormarsch der Billigflieger, trotz anhaltender Klimadebatte sehr geholfen. Wie die vergangene CO2-Abstimmung auch zeigt, liegt das eigene Portemonnaie offenbar immer noch am nächsten.

Fast wöchentlich werden bei Lufthansa Milliarden von Rettungs-Euro, anno dazumal erhalten von der deutschen Regierung, durch Anleihen am Markt abgelöst. So wird Lufthansa immer unabhängiger von ihren einst abgegebenen Versprechungen, insbesondere was den Erhalt von Arbeitsplätzen betrifft. Kündigungen sind da leichter auszusprechen, was auch geschieht.

Ähnlich wie bei Lufthansa, sieht es auch bei Swiss aus. Man setzt die Anzahl von Entlassungen bei der ersten Ankündigung mit 780 Jobs bewusst zu hoch an, um sie dann schliesslich auf 550 zu reduzieren und so als Kompromiss zu verkaufen. Die Gewerkschaften haben das selbstverständlich auch längst durchschaut.

Die aktuelle Situation wird ausgenützt, um möglichst schnell Leute zu entlassen, solange dies noch leicht möglich ist und die man momentan nicht braucht, aber bei Bedarf schnell wieder einstellen oder ersetzen kann. Das ist der Preis der sogenannten Flexibilisierung, auf die sich Lufthansa und Swiss berufen.

Die Piloten hingegen werden von den Entlassungen verschont, was viel über die zukünftigen Erwartungen der Airlines aussagt. Der Gesamtarbeitsvertrag der Piloten, wenn es hart auf hart gegangen wäre, hätte Entlassungen nicht verhindern können, auch wenn diese Drohung oft im Raum stand. Es sind alleine die positiven Erwartungen der Airlines, denen die Piloten ihre Jobs zu verdanken haben.

Mit schlankeren Strukturen versuchen die grossen Airlines den Billigfliegern Ryanair, Easyjet, Wizz Air und wie sie alle heissen, paroli zu bieten, oder legen wie jetzt Lufthansa mit dem neuen Billigflieger Eurowings Discover, gleich noch einen nach. In diesem knallharten Geschäft wird einem wirklich gar nichts geschenkt.

Parallel dazu läuft die Klimadebatte, eine wahrlich paradoxe Situation.

Die Flugticketabgabe ist gebodigt und von Fluglärm und den davon Betroffenen redet im Moment fast niemand mehr. Bei der Klimajugend ist das Thema leider immer noch nicht angekommen. Auch Fluglärm macht krank und das heute schon.

Es ist auch kein Zufall, dass die Pistenverlängerungen vom Flughafen Zürich ausgerechnet kürzlich aufs Tapet kamen. Der Zeitpunkt dafür ist günstig, weil die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit momentan ausschliesslich bei Covid und den Arbeitsplätzen liegt.

Bei den Südstarts geradeaus wartet man auf die Bewilligung des Betriebsreglements 2017 durch den Bund. Geht es dann vor Gericht, sind schnelle Entscheide zu erwarten. Während sich der Flughafen Zürich bei seinen Anträgen jeweils mehrere Jahre Zeit lässt, bis es ihm genau passt, bleiben den Schneisern meist nur wenige Wochen zur Einsprache übrig.

Dieses Ruck-zuck Verhalten, wo schliesslich alles schnell gehen muss, hat sowohl beim Flughafen Zürich, wie auch beim Bund System. Deshalb sieht es für den dicht besiedelten Süden von Zürich momentan nicht besonders gut aus. Ein Lichtblick diesbezüglich ist einzig der Flugplatz Dübendorf, wo dieses Vorgehen ausnahmsweise scheiterte.